Körperpost — Wochenausgabe 4. Oktober 2026
Vor gut einer Woche habe ich geheiratet.
Neben dem Ja selbst hat mich seitdem eines besonders berührt: die Freude der anderen. Die Nachrichten, die Umarmungen, die Glückwünsche, auch von Menschen, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte. Ich habe gespürt, wie diese Mitfreude mich getragen hat. Ganz körperlich.
Was Freude im Körper macht
Freude ist eines der körperlichsten Gefühle überhaupt. Der Atem wird tiefer und freier. Der Brustkorb weitet sich. Die Schultern sinken, das Gesicht wird weich. Wir richten uns ganz von selbst auf. Freude braucht keine Anstrengung. Sie öffnet.
Und Mitfreude wirkt genauso. Wenn wir uns ehrlich mit jemandem freuen, entsteht dieselbe Weite in uns. Freude wächst, wenn man sie teilt.
Und wenn statt Freude Enge kommt?
Nicht immer freuen wir uns mit. Manchmal sehen wir, was jemand anderes hat — die Beziehung, die Leichtigkeit, die Gesundheit, das Aussehen, den Mut — und in uns zieht sich etwas zusammen. Der Kiefer wird fest. Der Magen zieht. Die Schultern wandern nach oben.
Das ist Neid. Kaum jemand spricht darüber, weil wir gelernt haben, dass Neid etwas Hässliches ist.
Ich sehe das anders.
Neid ist kein Charakterfehler. Neid ist ein Kompass. Er zeigt dir, wonach du dich sehnst. Nicht, was du dem anderen wegnehmen willst, sondern was in deinem eigenen Leben noch Raum braucht.
Wenn du das nächste Mal diese Enge spürst, drück sie nicht weg. Bleib einen Atemzug bei ihr. Spür, wo sie in deinem Körper sitzt. Und frag dich: Was genau wünsche ich mir? Dann wird aus der Enge eine Richtung.
Freude kann man nicht erzwingen
Aber man kann sie einladen. Durch Aufrichtung, durch einen tiefen Atem, durch Bewegung, die guttut. Und eine der schönsten Einladungen ist Bewegung, bei der du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit bei deinem Körper bist: wenn du am Ende einer Stunde merkst, dass du lächelst, ohne es geplant zu haben.
Ich wünsche dir eine Woche voller Momente, die du im ganzen Körper spürst.
Herzlich,
Barbara 🩵